Gibt es Zensuren an der Martinschule?

Die Schüler unserer Schule als einzigartig wahrzunehmen und sie entsprechend ihrer Fähigkeiten und Fertigkeiten individuell zu fördern, sie aber auch zu befähigen, als Teil eines Ganzen in Verantwortung für das Ganze zu agieren, sind die Ziele, denen wir durch das gemeinsame Leben und Lernen an unserer Schule als einer christlichen Schule gerecht werden wollen. Daran muss sich auch die Bewertung orientieren. Deshalb halten wir verbale Einschätzungen, die wertschätzend formuliert sind, dabei den Lernfortschritt bewusst machen und gleichzeitig Möglichkeiten für den nächsten Schritt aufzeigen, für geeignet.

 

Das bedingt eine hohe Kompetenz der Lehrkräfte, den Prozess, wie jeder einzelne Schüler sich Bildung aneignet, zu beobachten, zu dokumentieren und verbunden mit den Ergebnissen angemessen zurückzumelden. Gleichzeitig fordert es großes Engagement, da diese Vorgehensweise zeitlich sehr aufwändig ist.

 

Individuelle mündliche und schriftliche Rückmeldungen erhalten die Schüler zu ihrer Arbeitsweise während der freien und gebundenen Arbeitsphasen, schriftlichen Arbeits- und Testergebnissen, mündlichen Äußerungen im Unterricht und Präsentationen. Die Schüler sind es auch gewöhnt, sich gegenseitig bei unterschiedlichen Gelegenheiten einzuschätzen. Die schriftlichen Einschätzungen sind natürlich auch für die Eltern jederzeit nachzulesen, sodass sie über den Bildungsprozess ihres Kindes immer gut informiert sein können.

 

Die Zeugnisse zu den Halb- und Endjahren geben auf der Grundlage der Auswertung der Einzelinformationen fundiert Auskunft über die Entwicklung der Kompetenzen des Schülers und zeigen bereits Möglichkeiten auf, um im folgenden manches noch besser machen zu können. Zum Halbjahr schreiben die Lehrkräfte, die mehr als eine Wochenstunde in der Klasse unterrichten, einen eigenen Bericht in Briefform für das Zeugnis. Über den Lernfortschritt in den Einstundenfächern können sich die Eltern während der Fachlehrersprechtage informieren, die zeitlich nahe der Halbjahresferien liegen.  Zum Abschluss eines Schuljahres schreiben alle Lehrkräfte einen Entwicklungsbericht über jeden Schüler. Um zumindest etwas Entlastung für die Lehrkräfte zu schaffen, suchen wir nach Möglichkeiten, wenigstens zwei Tage für das Schreiben der Zeugnisse zur Verfügung zu stellen und entsprechend zwei Hausarbeitstage für die Schüler der IGS einzuführen.

 

Ab Klasse neun werden die verbalen Einschätzungen durch Noten ergänzt. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Lt. verschiedener Forschungen lernen ältere Schüler mit Noten besser als ohne, weil sie nach Vergleich und Bestätigung streben und die Note das für sie eher ermöglicht. Außerdem ist die Vergabe von Abschlüssen in Deutschland noch immer an Noten gekoppelt, sodass wir nicht darauf verzichten dürfen. Für eine Reihe von Schülern wäre das wünschenswert, weil die Note kaum die Lernentwicklung zum Ausdruck bringen kann. Deshalb werden die Noten die verbalen Einschätzungen nicht ersetzen.

 

Zu Beginn eines neuen Halbjahres beraten der Schüler, seine Eltern, der Klassenlehrer und gegebenenfalls Fachlehrer auf der Grundlage des Zeugnistextes in einem Zielvereinbarungsgespräch darüber, wie es weitergehen kann und soll. Gemeinsam wird festgelegt, wie Schwierigkeiten in unterschiedlichen Bereichen ausgeräumt werden können und wer dabei welche Aufgabe übernimmt, sodass der Schüler spürt, dass alle ein wirkliches Interesse an seiner Entwicklung haben und auch bereit sind, ihn zu unterstützen.   

 

Auf der Grundlage der Zuarbeiten der Fachlehrer und der eigenen Einschätzung des Klassenlehrers wird ab Klasse sechs besprochen, welcher Schulabschluss zum jeweiligen Zeitpunkt möglich erscheint. Wichtig sind uns dabei differenzierte Aussagen zu den verschiedenen Fähigkeiten und Fertigkeiten, die einen Weg zeigen und den Schüler nicht etikettieren - weder im Positiven noch im Negativen. 

 

In diesem Gespräch werden auch spezielle Förderungen besprochen und festgehalten, sodass dieses von allen unterschriebene Protokoll den Anforderungen eines individuellen Förderplanes entspricht. Dieser ist für alle Grundlage der gemeinsamen Arbeit und gleichzeitig Messlatte zu jedem Halbjahr.

 

 

 

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